Dienstag, 15. Januar 2013

Rosa Marie Barth - Der Jägerfranzel von Gerstruben


Eine Neuauflage dieses Jugendbuches aus dem Jahre 1934. Rosa Marie Barth wurde damals wegen kritischen kirchen- und judenpolitischen Äußerungen gegenüber den Nazis verboten.

Wie schon der Titel vermuten lässt, steht der 15-jährige Franzel im Mittelpunkt des Geschehens. Als Sohn eines Revierjägers ist er stark mit der Natur verbunden, vermisst aber auch das städtische Leben in Oberstdorf. Als der Verpächter des Jagdgebietes seines Vaters zur Jagd auftaucht, verändert sich Franzels ganzes Leben.

Was als Jugendbuch gedacht ist, kann auch gut und gerne von Erwachsenen gelesen werden. Auch das Alter der Geschichte lässt diese Buch keineswegs in einem schlechten Licht erscheinen. Wer gerne über die Berge liest, gerne in der Natur unterwegs ist und bspw. auch die Höfats kennt, der sollte hier wirklich einen Blick riskieren. Ich hoffe der Ursus-Verlag packt in nächster Zeit noch mehr solche Schätzchen aus! Eines sei aber noch angemerkt: Warum töten Menschen, die als große Tierfreunde dargestellt sind, dann trotzdem noch Tiere bzw. essen diese? Doppelmoral ahoi.

8/10

Ursus; 2012; 9,90 €

Freitag, 11. Januar 2013

Daniel Woodrell - Der Tod von Sweet Mister


Daniel Woodrell ist schon durch sein äußerst gutes "Winter's Knochen" aufgefallen. Mit "Der Tod von Sweet Mister" bringt er einen neuen Kurzroman auf den Markt, der es in sich hat.

Shug ein dreizehnjähriger Junge, wächst mir seiner hübschen, aber alkoholkranken Mutter im Süden Missouris heran. Tyrannisiert vom Vater Red leben die beiden in ständiger Angst vor Prügelattacken. Als Red seinen Sohn Shug zu Einbrüchen zwingt, taucht ursprünglich der rettende Jimmy van Pearce auf, der Glenda und Shuggie eine bessere Welt verspricht. Doch Shug hat zwiespältige Gefühle in seinem neuen Nebenbuhler gegenüber seiner Mum.

Wieder sehr gut. Drogen, Alkohol, sinnlose Gewalt und Südstaaten-Flair. Daniel Woodrell scheint zu wissen, worüber er schreibt. Auch seine Spiele mit der menschlichen Vorstellungskraft, was passieren kann und wie seine Protagonisten dies ausleben, äußerst eindrucksvoll. Er überrascht einen immer wieder mit seinen Geschichten und zieht den Leser unheimlich in seinen Bann. Guter Autor, guter Verlag!

9/10

Liebeskind; 2012; 16,90 €

Donnerstag, 10. Januar 2013

Monika Bittl - Freiwild


Monika Bittl, noch nie zuvor gehört und doch ein so großartiges Buch wie "Freiwild" zum Glück nicht verpasst.

Sie erzählt von der Roten Res, der Dame an Räuber Heigls Seite. Diesem berühmt berüchtigtem Räuber im Bayern der frühen 19. Jahrhunderts. Wie sich die Liebe zwischen den beiden und auch die Liebe zum Wissen und Lernen der jungen Theres entwickelt, das sind die großen Themen hier. Sie begehrt auf, gegen die frauenverachtenden Gesetze, gegen Ungerechtigkeit und gegen die Obrigkeit. Wie das ganze so vonstatten gegangen sein soll, dass beschreibt uns Monika Bittl hier mit Tagebuchauszügen, Gerichtsaussagen und Zeugenbefragungen.

Einmal angefangen, kann man sich nur schwer dem Sog entziehen, der sich mit diesem Buch ausbreitet. Was passiert mit Theres, warum muss gerade sie immer neue Schicksalsschläge hinnehmen und warum sitzt sie überhaupt im Gefängnis? Wer ein Buch über eine starke Frau lesen möchte, die für Ihre Rechte kämpft, der sollte hiermit anfangen. Spannend, fesselnd und der romantische Hauch des 19. Jahrhunderts in Verbindung mit der Geschichte um den bayrischen "Robin Hood" macht "Freiwild" zu einem der besten Bücher 2012. Zumindest für mich.

10/10

Droemer Knaur; 2012; 18,- €

Sonntag, 30. Dezember 2012

Charles Bukowski - Pulp. Ausgeträumt


Wie schon öfters geschrieben, Bukowski sollte immer mal wieder gelesen werden. "Pulp" war sein letzter Roman.

Nick Belane ist Privatdetektiv. Ein alternder Alkoholiker mit seinem alten VW-Käfer. Er hat keine Aufträge, der Vermieter sitzt ihm mit Mietforderungen im Nacken und er versinkt im Selbstmitleid. Doch plötzlich taucht Lady Death auf und beauftragt ihn Celine zu finden. Nick macht sich auf eine skurile Jagd nach dem Schriftsteller und scheint so manchen Folgeauftrag aus diesem Fall zu ziehen.

Man merkt, dass es mit Bukowski zu Ende ging. Völlig übertrieben, völlig versteift in imaginäre Vorstellungen und irgendwie auch absolut nicht gut. Wenn man seine früheren Romane mit diesem Letztem vergleicht, kann "Pulp" nur verlieren. Hier wird ein zu lösender Fall an den nächsten gereiht, während diese auch noch völlig sinnlos untereinander verknüpft werden. Man hat das Gefühl, Bukowski sollte nochmal einen Roman schreiben und musste auf eine gewisse Anzahl an Seiten kommen. Wenn schon Bukowski lesen, dann bitte nicht das hier!

3/10
 
KiWi; 2011; 7,99 €

Freitag, 28. Dezember 2012

Martin Walker - Schatten an der Wand


Ein Buch von Martin Walker abseits seiner "Bruno"-Reihe.

England und hauptsächlich Frankreich, wieder die bereits bekannte Perigord-Region, stehen im Hauptfokus. Eine uralte Zeichnung, vermeintlich aus der Steinzeit taucht in einem Londoner Autionshaus auf und wird gleich am nächsten Tag wieder gestohlen. Lydia, die zuständige Kuratorin macht sich mit Manners, dem Besitzer der Zeichnung auf die geschichtsträchtige Suche, die bis in die Wirrungen des französischen Widerstandes im 2. Weltkrieg zurückreicht.

Martin Walker hat einen wirklich schönen Schreibstil und seine hier vorgestellte Geschichte, weiß den Leser in seinen Bann zu ziehen. Die drei Zeitstränge, Steinzeit, 2. Weltkrieg und Gegenwart sind wunderbar verknüpft und entführen den Leser in allen Zeiten an die gleichen Plätze, ohne sich irgendwie zu wiederholen. Die actionreiche Jagd, die faszinierende Beschreibung der Kultur der Steinzeit und auch der Krieg in Frankreich überzeugen. Ein wirklich spannender Thriller, der sprachlich auch schön geschrieben und gut recheriert ist. Nicht nur für "Bruno"-Fans!

9/10

Diogenes; 2012; 22,90 €

Mittwoch, 5. Dezember 2012

John Niven - Music from Big Pink


Ich hatte vor "Ewigkeiten" mal "Kill your Friends" von John Niven gelesen und es ist durchaus positiv in Erinnerung geblieben. "Music from Big Pink" ist sein erster Roman gewesen, der es erst jetzt geschafft hat übersetzt zu werden.

John Niven erzählt hier die Geschichte von einem kleinen Drogendealer, der sich im Schatten der erfolgreichen Rockband "The Band" herumtreibt. Wie er die Musiker mit Drogen versorgt, wie er sich von deren Musik treiben und mitreißen lässt und wie er überall Kontakte und Zugang zu den Stars von damals erhält. Der schnelle Aufstieg und ziemlich harte Fall eines Dealers.

Stellenweise hätte ich mir im Nachhinein gewünscht, nicht die Musik anzuhören, über die John Niven hier sehr eindrucksvoll schreibt. Diese weichgespülte Musik kann mich dann leider doch nicht überzeugen, obwohl mich der Roman schon ziemlich danach verlangen hat lassen. Ansonsten eine gut erzählte Geschichte, die durchaus glaubhaft erscheint und sehr interessant zu lesen ist. Wenns jetzt noch über eine 70iger-Jahre Stoner-Rock / Heavy Metal Band gegangen wär, würde ich hier volle Punktzahl vergeben.

8/10

Heyne; 2012; 9,99 €

Dienstag, 27. November 2012

Doug Johnstone - Smokeheads


Vier Freunde, jede Menge Whisky, ein höllisches Wochende. Soviel zum Inhalt.

Nein, etwas genauer gibts ihn trotzdem. Adam kommt für ein Wochenende voller Whisky mit seinen drei Freunden auf die schottische Insel Islay. Diese ist berühmt für ihre erlesenen Single Malts. Doch als Adam sich in die einheimische Molly verguckt, wird aus dem Urlaubstrip schnell ein alptraumhafter Höllentrip. Denn Mollys eifersüchtiger Ex-Mann schaltet sich ein und der ist nebem seinem psychopathischem Verhalten auch noch der einzige Polizist auf Islay.

Der Einband verspricht Witz und Action. Action gibt es zuhauf, nur der Witz fehlt völlig. Wer dank der Beschreibung einen "Hangover"-mäßigen Roman erwartet, der wird enttäuscht. Wer gänzlich ohne Vorwissen an dieses Buch herangeht, den erwartet ein guter Thriller, in dem man auch noch ordentlich über Whisky-Sorten und Geschmäcker aufgeklärt wird. Trotzdem, richtig überzeugen konnte mich das Buch nicht. Nett zu lesen, für 2-3 Stunden Ablenkung vom tristen Alltag. Mehr nicht.

5/10

btb; 2012; 9,99 €

Sonntag, 25. November 2012

Charles Bukowski - Ein Profi


Bukowski kann man immer lesen und sollte regelmäßig wieder gelesen werden. Gute Geschichten, spannend, schnell, voller Alkohol, Frauen und Versagern am Rande der Gesellschaft.

In "Ein Profi" sind einige Kurzgeschichten des begnadeten Autors versammelt, die sich alle mehr als schnell und ziemlich gut "weg" lesen. Wenn man einem Sportskameraden, der den Jungs von der Mafia gehört, die Rippen bricht, wird man selber verdroschen. Wenn man den Teufel ins Haus holt, ist man im Handumdrehen die Frau los. Wenn man als Profi-Killer arbeitet, darf man nicht fragen: Warum?

Charles Bukowski ist einfach einer meiner Lieblingsautoren. Keiner schreibt so gut wie er, auch wenn ich jetzt vermutlich von einigen Originalsprach-Lesern verflucht werde, Bukowski teilweise auf Deutsch zu lesen. Zwar ist die Übersetzung nicht immer ganz gelungen, doch immer noch sehr gut lesbar. Für einen kurzen Schaffensüberblick von Herrn Bukowski mit weniger versauten, als alkoholbedingten Geschichten, ist diese Kurzgeschichtensammlung gut geeignet.

7/10

dtv; 1983; 7,90 €

Donnerstag, 15. November 2012

Patrick DeWitt - Die Sisters Brothers


Hab ich schonmal erwähnt, dass ich total auf Western abfahre? Dass ich Western seit meiner Kindheit liebe, nachdem mich Karl May in diese fantastische Welt hineingezogen hatte? "Die Sisters Brothers" ist einer der wenigen neuen Western, der natürlich sofort gelesen werden musste.

Wie schon der Titel vermuten lässt, bei den "Sisters Brothers" handelt es sich um zwei Brüder, Kopfgeldjäger, Auftragsmörder und Lebenskünstler, um es ein bisschen genauer zu sagen. Die beiden müssen nach Kalifornien, um dort Warm aufzuspüren, den sie gleich einen Kopf kürzer machen sollen. Unterwegs passieren aber einige blutige und auch bizarre Begegnungen, die zumindest Eli Sisters an seinem Beruf zweifeln lassen. Doch als die Sisters Brothers in Kalifornien eintreffen, nehmen die Ereignisse eine höchst unerwartete Wendung...

Wunderbar. Man bekommt genau das, was man erwartet und oben drauf noch eine ordentliche Prise schwarzen Humor. Wieder ein richtig guter Western, der hier das Licht der Welt erblickt hat. Eine freudige Überraschung aus der sonstigen Wüstenlandschaft der Westernveröffentlichungen. Warum gibt es nicht mehr Autoren, die den Western wieder salonfähig machen? Einen sicheren Leser hättet ihr schon!

8/10

Manhattan; 2012; 17,99 €

Freitag, 9. November 2012

Martin Suter - Die Zeit, die Zeit


Neuester Roman von Martin Suter, der in letzter Zeit ziemlich viel schreibt. Neben seiner eher mittelmäßigen "Allmen"-Reihe verspricht "Die Zeit, die Zeit" wieder ein richtig guter Roman zu werden.

Peter Taler hat seine Frau verloren. Ermordet von einem Umbekannten vor der eigenen Haustür. Sein ganzes Leben leidet unter diesem Vorfall. Einzig und allein die Suche nach dem Mörder hält ihn am Leben, von seiner Arbeitswelt, den sozialen Kontaken, eigentlich allen, kapselt er sich völlig ab. Einzig sein Nachbar Knupp scheint ihm äußerst merkwürdig zu sein. Dieser versucht die Zeit zurückzudrehen. Anfang hält Taler ihn für verrückt, doch Wunsch alles wieder ins Reine zu bringen und endlich wieder mit seiner Frau vereint zu sein, lässt Taler nicht los. Kann er die Zeit wirklich wieder zurückdrehen?

Sehr spannend, sprachlich auch sehr gut, fasziniert mich Martin Suter wieder mit diesem Buch. Der Traum eines jeden Menschen, die Zeit zu überlisten und in die Vergangenheit zu reisen, Fehler auszumerzen und vergangene Welten kennen zu lernen, wird hier wirklich gut erzählt. Einzig die Recherche Talers, der oftmals wie aus dem Nichts neue Informationen erhält, wenn er nicht weiter kommt, dass war dann doch etwas zu unglaubwürdig und zu einfach. Da hätte man mit etwas mehr schriftstellerischem Geschick und Erfindungsreichtum vorgehen sollen.

7/10

Diogenes; 2012; 21,90 €