Donnerstag, 16. Juni 2011

Denis Johnson - Train Dreams


Eine kurze Erzählung über das Leben des Robert Grainier, einen nicht ganz freiwillig gewordenen Eremiten an der kanadisch-amerikanischen Grenze. 1886 geboren, erlebt Grainier, als hart arbeitender, rechtschaffener Mann viele technische, als auch politische Veränderungen, die ihm oftmals weltfremd und zu verändernt erscheinen.

Es geht um persönliche Schicksalsschläge, die das Leben eines doch etwas einfacheren Menschens prägen und auch verändern können. Stellenweise sehr traurig erzählt, auch manchmal grausam, schafft es Denis Johnson immer mal wieder kleine lustige Stellen einzubauen und insgesamt eine doch schön erzählte Geschichte zu schreiben.

7/10

Rowohlt; 2009; 8,95 €

Mittwoch, 15. Juni 2011

Charlie Huston - Killing Game


Der erste allein stehende Roman von Charlie Huston, abseits aller bisher erschienenen Reihen um Joe Pitt oder Hank Thompson.

Vier Freunde, zwischen 15 und 17 Jahren alt, verbringen die Sommerferien zusammen. Rumhängen, kiffen, trinken rauchen, ab und an ein kleiner Bruch und eigentlich immer auf den Fahrrädern unterwegs. Als die Arroyo-Gang eines der Fahrräder klaut, brechen die vier Jungs dort ein. Doch das Haus birgt nicht nur das Fahrrad, sondern auch ein Drogenlabor. Schnell wird aus dem "harmlosen" Abenteuer eine ziemliche gewaltvolle Angelegenheit.

Bisher der schwächste Huston für mich. Entweder hat der Übersetzer diesmal völlig daneben gehauen oder Charlie Huston hatte keine Lust zu schreiben. Sprachlich diesmal nicht ganz so hervorragend wie die anderen Bücher. Storymäßig aber wie zu erwarten wieder sehr gut.

6/10

Heyne; 2008; 7,95 €

Sonntag, 12. Juni 2011

Grant Naylor - Roter Zwerg


Dave Lister wacht nach einer Zechtour mit seinen Kumpels plötzlich am anderen Ende des Universums auf. Er schlägt sich mit Diebstählen und kleinen kriminellen Aktionen durch um wieder auf die Erde zurückkehren zu können. Als er wieder einmal seine gesamten Ersparnisse versäuft, bleibt ihm keine andere Wahl als bei einem rießigen, roten Raumschiff anzuheuern, dass sich auf eine mehrjährige Reise zur Erde begibt.

Waren die ersten 130 Seiten wirklich super und haben einen enorm in den Bann gezogen, waren die folgenden eher leicht konfus und nicht mehr so spannend zu lesen.

Erster von zwei "Roter Zwerg" Teilen, bei dem ich mir noch nicht sicher bin, ob der zweite Teil besorgt wird.

5/10

Blanvalet; 2009; 7,95 €

Samstag, 11. Juni 2011

Eric Powell - The Goon (Gratis Comic Tag 2011)


So, das Paket mit den Gratis Comics ist endlich eingetroffen. Ein Titel von fünf, den ich mir rausgesucht hatte, war "The Goon", welcher wirklich gut klang und auch sonst immer mal wieder auf diversen Plattformen auf sich aufmerksam gemacht hat.

Grob, groß, hässlich, fies und muskelgepackt beschreiben den Goon wohl am besten. Eher ein Antiheld. Er prügelt sich gern, er räumt auf, aber eigentlich will er doch bloß sein Bier trinken. Kämpfe gegen Zombies, gegen Monster und gegen Vampire bestimmen das Szenario. Alles unterlegt mit schneidigen, morbiden Sprüchen, schwarzem Humor und einer gewaltigen Menge Muskeln.

Die Reihe wird mal im Auge behalten, wirklich gute Comics. Kommt beinahe wie eine Mischung aus Sin City und Dawn of the Dead daher, gewürzt mit einer ordentlichen Prise schwarzem Humor, der einen immer wieder auflachen lässt. Stimmige Zeichnungen und wirklich gute Dialoge lassen den Spaß am Comic lesen wieder aufleben.

8/10

Cross Cult; Umsonst

Donnerstag, 9. Juni 2011

Andrea Camilleri - Das Netz der großen Fische


Das neueste Buch Camilleris, wieder abseits der vielgerühmten Krimi-Reihe um den Commissario Montalbano, aber dennoch in krimiähnlichen Gefilden.

Der Sohn eines führenden Politikers wird wegen Mordes an seiner Verlobten angeklagt. Wie es der Zufall so will, die Ermordete war die Tochter auch eines führenden Politikers der Gegenpartei. Als die Nachricht beim Fernsehen eingeht, weigert sich der Programmdirektor sie sofort zu senden. Diese Zeit für Informationen wird benötigt. Aber wie so oft, geht es nicht darum die Wahrheit zu senden, sondern keine Fehler in den Machtspielen der im Verborgenen agierenden Herrschern der Insel zu begehen.

Ein Buch das von Intrigen lebt. Intrigen in der Politik, Intrigen in den Medien und Intrigen in den Beziehungen. Zu viele Intrigen und zu wenig Spannung für meinen Geschmack. Dennoch, die teils stark überzeichnet wirkenden Figuren verleiten immer mal wieder zu Lachern. Camilleri spiegelt ein schönes Bild der italienischen Gesellschaft wieder, dass sich teilweise aber nur für den Roman so darstellt und nicht immer der Wahrheit entspricht.

6/10

Bastei Lübbe; 2011; 19,99 €

Dienstag, 7. Juni 2011

Geisterjäger John Sinclair - Teil 65: Das Vampirnest


Neuster Teil der sehr erfolgreichen Hörspiel-Reihe um den Geisterjäger John Sinclair.

Jack Hillary, dank seines Arztes unfreiwillig zum Vampir geworden, möchte sich umbringen. Da sich das bei dem Untoten doch schwieriger als erwartet gestaltet wird von seiner Frau John Sinclair engagiert um ihm entgültig den Garaus zu machen. Klar, dass John Sinclair auch den Verursacher des Virus, durch den Jack Hillary infiziert wurde, zur Rechenschaft ziehen will.

Besetzt mit vielen Synchronstimmen großer Hollywood-Stars garantiert dieses Hörspiel Spannung und Qualität. Auch die musikalische Untermalung und die (Schock-)Effekte wissen zu gefallen.

8/10

Bastei Lübbe; 2011; 7,99 €; Spielzeit 75 Min.

Montag, 6. Juni 2011

Charles Bukowski - Der Mann mit der Ledertasche


Irgendwie komisch, wenn man meint von einem Autor eigentlich alles zu kennen, dann den Wikipedia-Eintrag zufällig durchschaut und über diesen Titel stolpert, der irgendwie an mir vorbei gegangen sein muss.

Der letzte gelesene Bukowski ist schon mehrere Jahre her, aber auch "Der Mann mit der Ledertasche" konnte einen immer noch fesseln.

Thematisch typisch ist die Hauptfigur ein trinkender, wettsüchtiger, rebellierender und erfolgsloser Briefträger/Autor, der verzweifelt versucht eine dauerhafte sexuelle Beziehung aufzubauen. Nach Ärger mit dem Vorgesetzten kündigt er und widmet sich völlig der Fertigstellung seines Romans.

Ein schnelles, überzeichnetes, satirisches und absolut lesenswertes Werk. Eines der wirklich Guten unter guten Büchern!

9/10

KiWi; 2004; 7,95 €

Samstag, 4. Juni 2011

Dmitry Glukhovsky - Metro 2034


Lange nicht an dieses Buch herangewagt. Die Enttäuschung, dass die Geschichte und die Personen des "1. Teils" Metro 2033 nicht weiterexistieren oder nur am Rande fortgeführt werden war doch zu schwerwiegend. Nach "Die Reise ins Licht" war aber wieder Lust vorhanden, mehr aus dem Metro 2033 Universum zu erfahren.

Ein Jahr später hat sich in der Moskauer Metro noch nicht viel geändert. Die Oberfläche ist immer noch verstrahlt, die Bedrohung durch die Mutanten bleibt bestehen und die Metro ist immer noch kein sicherer Ort. Eher das Gegenteil ist der Fall. Als an der Station Sewastopolskaja keine Karawanen und Spähtrupps mehr auftauchen wird eine Expedition losgeschickt, die der Sache auf den Grund gehen soll.

Die drei Hauptcharaktere wissen zu gefallen, besonders da diese nun ausführlicher zu Wort kommen und nicht mehr ganz so viele Nebencharaktere auftauchen. Hunter, die stille, verschlossene, nahezu unbekannte Kampfmaschine, Sascha, die junge Frau, leicht naiv, aber mit unglaublicher Entschlossenheit ausgestattet und Homer, der in die Jahre gekommene Geschichtenerzähler.

Wenn man keine Fortsetzung erwartet, wird man von diesem Buch auch nicht enttäuscht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Metro 2034 schaffte es wieder einmal mich komplett in seinen Bann zu ziehen. Dmitry Glukhovsky kann einfach gut schreiben.

8/10

Heyne; 2009; 14,- €

Donnerstag, 2. Juni 2011

Robert Musil - Die Verwirrungen des Zöglings Törleß


Der erste Roman von Robert Musil, bereits 1906 erschienen.

Mit Hilfe psychologischer Darstellung der Pubertät von vier Schülern in einem österreichischen Internat, versucht der Autor modellhaft die autoritären Gesellschaftsstrukturen widerzuspiegeln. Der junge Törleß ist die zentrale Figur, welche sich mit der Selbstfindung seiner Persönlichkeit beschäftigt, zwischen Rationalität und Emotionalität sowie zwischen Intellektualismus und mystischer Welterfahrung.

Den Leser erwartet ein nicht unbedingt leicht zugängliches Werk über Machtspielchen, physischen und psychischen Sadismus, sexuelle Demütigung und die Selbstfindung der vier Hauptpersonen in einem gruppendynamischen Mechanismus. Ein Buch, dass beschreibt wie tief Menschen sinken können und doch irgendwann von ihrem Gewissen gebremst werden können. Wie Menschen sich in Extremsituationen verhalten können und dabei Ethik und Moral vergessen.

Man muss sich erstmal an die philosophischen Ausschweifungen Musils und den komplexen Handlungsstrang gewöhnen um diesen Klassiker in seiner gänzlichen Bedeutung erfassen zu können.

6/10

Rowohlt; 1989; 6,95 €

Mittwoch, 1. Juni 2011

George R. R. Martin - Die Herren von Winterfell


Edward Stark, der Herr von Winterfell, wird an den Hof des Königs als seine rechte Hand gerufen, um seinem Freund aus Kindheitstagen als Berater und Vertrauter zur Seite zu stehen. Ein Teil seiner Familie bleibt auf Winterfell zurück, um dieses weiterhin zu regieren und beschützen, der andere Teil der Familie folgt ihm aufs Königsschloss und seinen Bastardsohn Jon zieht es zur Mauer im Norden, um dort das Königreich zu beschützen. Es scheint, als hänge die Zukunft des Reiches in den Händen der Herren von Winterfell.

Eine mittelalterliche Welt voller Intrigen, Machtspielchen und Krieg, die den Leser sofort in ihren Bann zieht und ihn beinahe fieberhaft nach weiteren Teilen dieses Fantasy-Epos gieren lässt.

Ich weiß gar nicht, wie diese Saga an mir vorbei gehen konnte. Was natürlich super ist, auf Deutsch gibts mittlerweile 8 Bände, wenn auch nur zwei davon in der schönen, rundumerneuerten Aufmachung. Die restlichen Bände kommen wohl im Dreimonats-Rhytmus in der neuen Auflage heraus. Gut, da George R.R. Martin sich wohl eher Zeit mit dem Schreiben der Fortsetzungen lässt.

Absolute Kauf- und Leseempfehlung für jeden der etwas für Fantasy-/Mittelalter-Sagas übrig hat.

8/10

Blanvalet; 2010; 15,- €